Zur Ermittlung einer Antragsreihenfolge gibt es diesmal eine LimeSurvey-Umfrage mit zwei Teilen: Erst ein Teil mit Approval Voting und dann ein optionaler experimenteller Teil mit der Schulze Methode. Ich möchte hier mein Erlebnis mit diesen beiden Umfrageteilen schildern und Verbesserungsvorschläge machen.

Approval Voting

Ich habe selbst schon mal ein Konzept geschrieben, wie und warum die Umfrage mittels Approval Voting durchgeführt werden soll. Um so gespannter war ich auf die diesmalige Umsetzung.

Ich war gleich sehr verwirrt, dass es nun zu jedem Antrag die Optionen „Ja“, „Nein“ und „keine Antwort“ gibt. Denn – wie der Name, auf deutsch „Wahl durch Zustimmung„, schon sagt – gibt es bei Approval Voting eigentlich nur Ja-Stimmen. Eine Nein-Stimme vergibt man, indem man dem entsprechenden Antrag eben keine Ja-Stimme vergibt. Ich hätte also zu jedem Antrag nur eine Checkbox erwartet. Statt dieser Checkbox zwei Radiobuttons „Ja“ und „Nein“ zu machen, ist auch in Ordnung und verständlich, nur ein bisschen umständlicher. Eine Möglichkeit, sich nur von einzelnen Anträgen zu enthalten, wie es die Option „keine Antwort“ nahelegt, gibt es bei Approval Voting aber eigentlich nicht. Man kann sich nur von der ganzen Abstimmung enthalten. Wie könnte das also gemeint sein? Werden nur die Ja-Stimmen ausgewertet? Aber wozu dann die Unterscheidung zwischen „Nein“ und „keine Antwort“? Oder wird vielleicht eine Enthaltung dadurch berücksichtigt, dass zu jedem Antrag erst die Ja-Stimmen mit den sich nicht enthaltenden Stimmen in Relation gebracht werden und dann diese prozentualen Anteile in eine Reihenfolge gebracht werden?

Ich habe also nachgefragt. Zuerst am 12.4. per Mail an die in der Einladungsmail angegebene Mailadresse für „Fragen oder Probleme“. Eine Antwort habe ich seither nicht bekommen. Dann fragte ich per Twitter nach, was hier der Unterschied zwischen „Nein“ und „keine Antwort“ sei. @die_sylvi antwortete „bei Gleichheit der ja-Stimmen weiter unterscheiden“. Das wäre also eine Auswirkung der Unterscheidung, aber nur eine absolut marginale. @JohannesPonader schrieb dagegen „geplant ist, diese beiden Angaben nicht unterschiedlich auszuwerten.“

In jedem Fall steht der Aufwand hier in keinem Verhältnis zur Wirkung. Wer nämlich nicht weiß, dass die Unterscheidung praktisch keine Rolle spielt, wird sich bei jedem Antrag nun überlegen, ob eher „Nein“ oder „keine Antwort“ angebracht ist. Bei normalem Approval Voting dagegen kreuze ich einfach alle Anträge an, die gut sind, und fertig. Über die überflüssigen, unwichtigen, schlechten oder dringend zu verhindernden brauche ich mir keine Gedanken zu machen.

Aber welche Anträge soll ich überhaupt wie bewerten? Die Antwortmöglichkeiten „Ja“, „Nein“ und „keine Antwort“ erwecken den Eindruck als ginge es um Zustimmung oder Ablehnung des Antrags. Der Antragsviewer unterstützt diesen Eindruck, in dem auch noch vorgeschlagen wird, dass man seine Auswahl als Notiz für die Abstimmungen auf den Parteitag mitbringen soll. Es geht aber eben in der Umfrage nicht um Zustimmung oder Ablehnung der Anträge, sondern um die Antragsreihenfolge! Es gibt beispielsweise Anträge, denen ich zwar zustimmen würde, aber die für mich im Verhältnis zu anderen Anträgen, denen ich ebenfalls zustimme, so unwichtig sind, dass ich sie in der Reihenfolge nicht bevorzugen würde.

Schulze-Methode

Hier gibt es links einen Kasten mit Antragsklötzchen und rechts einen Bereich, in den man die Klötzchen herüberziehen kann. Rechts erscheinen die Klötzchen dann untereinander und bilden so eine Reihenfolge. Per Doppelklick kann man auch ein Klötzchen von links nach rechts an das Ende der Liste befördern.

Wie geht man also vor, um zu seiner gewünschten Reihenfolge zu gelangen? Ich habe mir dazu erst eine Liste in einer Textdatei gemacht, in der ich die Anträge mit Titel untereinander einsortiert habe. In den 200 Klötzchen ohne Titel blicke ich nämlich absolut nicht mehr durch. Ich habe die Anträge dann zunächst in Kategorien eingeteilt:

  • +++ für Anträge, die unbedingt drankommen sollten
  • ++ für Anträge, die auch gerne drankommen sollten
  • + für gute Anträge
  • o für sinnvolle, aber eher unwichtige Anträge
  • – für schlechte und unwichtige Anträge (Rest-Block)
  • — für unbedingt zu verhindernde Anträge

Ich habe aber nicht alle Anträge dort einsortiert, sondern nur die, die mich irgendwie interessierten. Alle anderen gehören für mich in den Rest-Block. Innerhalb der Kategorie habe ich dann noch ein bisschen nach meinen Präferenzen umsortiert.

Anschließend habe ich das Ganze ins LimeSurvey übertragen. Die Anträge in den Kategorien „+++“ bis „o“ habe ich in der notierten Reihenfolge mittels Doppelklicks nach rechts verschoben. Dann stellte sich die Frage, wie ich mit diesem ziemlich großen Rest-Block umgehen soll. Wenn ich diese Anträge im linken Kasten lasse und gar nicht nach rechts rüber ziehe, dann werden die vermutlich ganz unten einsortiert. Aber ganz unten sollten ja die unbedingt zu verhindernden Anträge stehen. Also musste ich doch den ganzen Rest-Block von links nach rechts bringen. Das habe ich dann mittels kontinuierlicher Doppelklicks auf alle verbleibenden Anträge erledigt. Zum Schluss habe ich dann die unbedingt zu verhindernden Anträge nach ganz unten verschoben.

Das hat nun den unschönen Nebeneffekt, dass die Anträge des Rest-Blocks einfach in der Reihenfolge ihrer Nummern drin stehen. Diese Anträge alle auch noch in eine Reihenfolge zu bringen, überfordert mich. Es fällt mir schwer, Kategorien zu finden, an denen ich da eine Reihenfolge festmachen könnte. Soll ich die Anträge zufällig mischen? Kann eigentlich auch keine vermittelbare Lösung sein. Es sollte eher eine Möglichkeit geben, mehrere Anträge auf die gleiche Stufe innerhalb der Rangliste zu stellen. So ließe sich vielleicht auch verhindern, dass links schon irgendwie eine Ausgangsreihenfolge vorgegeben ist und dass man alles nach rechts rüber schieben muss. Alle Anträge müssten zunächst auf der gleichen Stufe stehen und könnten dann nach oben und unten verschoben werden. So ähnlich ist es ja auch in Liquid Feedback gelöst, nur gibt es da selten 200 Anträge auf einmal.

Session Timeout

Das Ausfüllen der einzelnen Umfrageschritte dauert sehr lang, wodurch es sehr wahrscheinlich wird, dass bis zum nächsten Schritts die Session verfällt und man dann nochmal ganz von vorne anfangen muss. Wenn jemand so alles fein säuberlich eingetragen hat und dann alles weg ist, ist das ziemlich übel. Dies lässt sich verhindern, in dem man als erstes mit dem Button „Später fortfahren“ sich anmeldet und dann regelmäßig mit eben diesem Button seinen Zwischenstand speichert. Wenn die Session dann mal weg ist, kann man auf den Link in der erhaltenen Mail klicken und mit dem zuletzt gespeicherten Stand weiterarbeiten. Es wäre gut, wenn auf dieses Vorgehen am Anfang der Umfrage hingewiesen würde, denn offensichtlich ist das nicht.

Ausblick

Ich bin gespannt auf das Ergebnis und hoffe, wir können aus dieser Umfrage für zukünftige Umfragen zur Antragsreihenfolge lernen. Wenn keine Hürde für Anträge beschlossen wird, könnten zum programmatischen Bundesparteitag im Herbst durchaus 1000 Anträge eingereicht werden, denen die Umfrage dann gewachsen sein muss.

Update 17.4.2012

Ich habe heute eine Antwort auf meine Nachfrage per Mail bekommen. Das war meine Nachfrage:

Was ist denn dann der Unterschied zwischen „Nein“ und „keine Antwort“? Normalerweise gibt es bei Approval Voting doch nur „Ja“-Stimmen, deren Anzahl dann direkt in eine Rangfolge gebracht werden kann. Oder habt ihr da ein spezielles Verfahren vor, etwa dass die Nein-Stimmen von den Ja-Stimmen abgezogen werden oder dass bei jedem einzelnen Antrag ein Prozentwert errechnet wird, in dem die Enthaltungen nicht berücksichtigt werden?

Und das ist die Antwort:

Hallo Magnus, nein, das haben wir nicht vor. Die Nein-Stimmen werden höchstens verwendet, um bei Stimmengleichheit eine Entscheidung herbeizuführen. Ich persönlich bin aber dafür, hier zu losen. Das „Keine Angabe“ war die Voreinstellung im Lime-Survey und ist daher durchgerutscht. Wir sollten das das nächste Mal klarer machen. Gruß Johannes 

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